Die Geschichte der Tuchfabrik Stucki

Publikation: "Stucki’s Söhne Steffisburg — Die Geschichte einer Tuchfabrik"

Inhaltsverzeichnis:

  • Vorgeschichte 1675–1866
  • Gründung und Ausbau der Tuchfabrik Stucki in der Au
  • Die Arbeit in der Tuchfabrik: Rohstoffe, Produktion, Produkte
  • Die Industriellendynastie Stucki
  • Die Wasserkraftanlagen
  • Die Stucki’s Söhne AG heute: Überbauung Stuckimatte
  • Von der Faser zum Gewebe — Die Textilproduktion in der vor- und frühindustriellen Zeit

Die Monographie Stuckis Söhne Steffisburg zeichnet wissenschaftlich fundiert, aber dennoch in leicht lesbarer Form die Geschichte der Tuchfabrik Stucki und deren Vorgeschichte nach und dokumentiert umfassend und facettenreich in Wort und Bild die Geschichte des für Dorf und Region bedeutenden Betriebs und die Arbeit früherer Generationen.

Im zweiten Teil des Buches wird in Form eines kulturgeschichtlichen Abrisses ein Überblick über die Textilproduktion im Laufe der Jahrhunderte und der Wandel von der Heimarbeit zur industriellen Fabrikation skizziert. Damit wird die Geschichte der Firma Stucki in ein weiteres Umfeld gestellt und darin verortet.

Die Tuchfabrik Stucki’s Söhne AG gehört heute schweizweit zu den am besten dokumentierten Textilbetrieben ihrer Kategorie.

Die vorliegende Darstellung fusst auf den Forschungsergebnissen, welche der Autor in seiner Dissertation „Dank dem Gewerbefleiss früherer Jahrhunderte — Die Nutzung der Wasserkraft in der bernischen Gemeinde Steffisburg vom ausgehenden 13. Jahrhundert bis zur Gegenwart“ (Uni Bern, 2000) dargestellt hat.

Ein Auszug aus dem Buch

Die heutige Überbauung „Stuckimatte“ steht auf der Bleichematte der ehemaligen Tuchfabrik Stucki’s Söhne AG. Wo man früher die gewebten nassen Tücher auslegte, damit sie von der Sonne gebleicht wurden, stehen heute zwölf Mehrfamilienhäuser.

Bereits seit dem Jahr 1675 wurde am nahen Mühlebach die Wasserkraft genutzt, anfänglich für eine Tuchwalke (d.i. eine Maschine, in der die Tücher gestampft wurden, um sie zu reinigen und das Gewebe zu verfestigen), später auch für eine Schleife.

1866 erwarb Samuel Stucki den kleinen Gewerbebetrieb in der Au und baute ihn Ende der 1870er-Jahre unter Mithilfe seiner Söhne zu einer Tuchfabrik um. Die alte Fabrikhalle, die sogenannte Alte Weberei, wurde 1999/2000 restauriert und als Wohn-/Atelier-Haus umgenutzt.

Herausgewachsen war die Textilindustrie auch in Steffisburg aus bäuerlich-kleingewerblichen Strukturen der vorindustriellen Zeit. Die Tuchfabrik Stucki’s Söhne AG in Steffisburg steht hier stellvertretend für viele andere Betriebe. Während rund hundert Jahren wurden in der Fabrik, die sich während der ganzen Zeit im Besitz der Familie Stucki befand, Textilien produziert. Bei der Firma handelte es sich um eine bedeutende Vertreterin der einst auch im Kanton Bern wichtigen Textilindustrie. Im Laufe der Jahrzehnte verlor die Branche zunehmend an Boden und trat  fast vollständig hinter die Metall-, Maschinen- und Präzisionsapparate-Industrie sowie die elektronische Industrie zurück. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts büsste die Textilbranche nahezu fast alle Arbeitsplätze ein. Diesem Strukturwandel war auch die Stucki’s Söhne AG unterworfen: 1967 stellte sie die Textilproduktion ein. Seither ist sie als reine Immobilienfirma tätig.